von Norman
An dieser Stelle geht es darum, in einer aktuellen Schachpartie (meist aus der Vorwoche) besser zu spielen als der Meisterspieler. Ganz nebenbei bleibt man dabei in der großen Schachwelt etwas auf dem Laufenden. Und vielleicht gibt es ja sogar einen kleinen Trainingseffekt.
Hier geht es offenbar nur um eines: Rechnen! Und zwar besser als Pragg. Unmöglich? Nun, ihr könnt euch zumindest mehr Zeit nehmen.
Lösung Teil 1:
Wer erkannt hat, dass es darum geht, einen Bauern durchzubringen, wird vielleicht auf die Partiefortsetzung 55.c5 gekommen sein. Das bringt nicht nur beide Freibauern ins Spiel, sondern sperrt auch das Feld a7 frei. Oftmals ist es nämlich deutlich besser, alle Reserven zu nutzen und erst vorzubereiten als sofort loszustürmen.
Nur heißt der Gegner Fabiano Caruana. Und der findet dann eben 55…Ke5!!, wonach die Stellung tatsächlich remis ist. Es folgte 56.Lxf7 Ta4 57.Kb3 Ta1 58.Lxg6 Kd5 59.Lf7+ Kc6 60.Le8+ Kc7!? und obwohl Weiß zwei Bauern mehr hat, ist die schwarze Aufgabe nicht mehr schwer.
Fazit: „Oftmals ist es besser…“, sagen Trainer gern, wenn sie das passende Beispiel zur Hand haben. Mag auch oftmals stimmen. Aber Plattitüden zählen nicht. Rechnen zählt!
Lösung Teil 2:
Vernünftig sieht das aktive 55.Tb7 aus. Doch Schwarz antwortet 55…Ld4+ nebst 56…Tg1, der Turm kommt hinter die Bauern, der König über e5 zum Damenflügel und Schwarz hält ähnlich zur Partie remis. Die Variantenberechnung dazu sei euch überlassen.
Übrigens würde die „Zugumstellung“ 55…Tg1 wegen 56.Txf7+ Ke5 57.Te7+ Kd4 58.Txe3! verlieren.
Zum Remis führt einzig das direkte 55.a6!
Auf 55…Tg1 gewinnt nur 56.c5! (Zugumstellung zur Hauptvariante weiter unten).
Auf 55…g5 hat Schwarz ein wichtiges Tempo verloren, sodass 56.Tb7! jetzt zum Sieg reicht (Variantenberechnung gern wieder eigenständig).
Nur wohin soll Weiß nach 55…Ld4+ gehen? Erstaunlicher Weise gewinnt nur 56.Ka3!! Das galt es zu finden. Der Clou ist 56…Tg1 57.c5! Ta1+ 58.La2! Ziemlich cool, wie ich finde.
Am hartnäckigsten wäre auf 56.Ka3!! die Fortsetzung 56…Tg3+ 57.Kb4 Tg1 58.c5! Ta1 Aber auch dann wird sich der weiße a-Bauer z.B. mit 59.Tb6+ und 60.Lc4 durchsetzen.
So, Variantenberechnung ist das A und O. Aber ihr habt wahrscheinlich gemerkt: Das ist mega anstrengend. Hat man gar keine Lust drauf…
Die Partie zum Nachspielen und Analysieren:
https://lichess.org/broadcast/2026-grand-chess-tour-finals-finals/classical-game-2/kkDZPSFu/6t3KqDSc
Endstand:
https://grandchesstour.org/tours/2026/tournaments/gct-finals-2026/results/
Wie ersichtlich hat sich Pragg trotzdem noch die 200.000 $ Siegerprämie geholt. Er rechnet ja eigentlich auch unfassbar gut.
