+ 1000 Aura für Laura

von Martin

Ostern war vorbei, die meisten Schokohasen gefunden, manche schon wieder im Bauch versteckt, also gab es jetzt keine Ablenkung mehr vom Schach. Wie jedes Jahr rief das KiEZ Sebnitz nach den besten Schachspielern des Freistaats zur SEM, der Sachsenjugendeinzelmeisterschaft. Da durfte der CSC Aufbau natürlich nicht fehlen.

Wie im Vorjahr (und übrigens auch im Jahr davor und im Jahr davor) schickten wir insgesamt sieben Spieler mit unterschiedlichen Hoffnungen ins Rennen. Laura, Dariia, Marek, Mika, Timur, Antonin und Alan wollten um Punkte, Qualiplätze für die DEM (Deutsche Jugendmeisterschaft) und Pokale kämpfen. Hinzu kamen drei Eltern/Trainer/Betreuer sowie Becky und Susi, die zum gleichzeitig laufenden C-Trainer-Lehrgang vor Ort waren. Und natürlich Marie, die ja trotz ihrer offiziellen Mitgliedschaft in einem anderen Verein eigentlich als Aufbauerin zählt und daher hier verdientermaßen mit behandelt wird.

7 Runden im Schweizer System bzw. als Rundenturnier bei Dariia in der U16w wurden absolviert. Geheimer Star der Eröffnungszeremonie war die KiEZ-Katze, die es sich auf der Bühne bequem gemacht hatte und auch nach dem Abgang alle Blicke auf sich zog.

Eröffnungsfeier auf der Freilichtbühne

 

Der Turnierverlauf in altersmäßig aufsteigender Reihenfolge:

Alan U8m

 

Unser jüngster Teilnehmer hatte sich über den Umweg der Zusatzqualifikation einen Startplatz bei der SEM verdient und spielte zum ersten Mal in Sebnitz mit. Untergebracht mit seinem Bruder im Doppelzimmer und betreut von Norman und Anja als zeitweisen Ersatzeltern, Marek als coolem und Martin als wunderlichem Aushilfsonkel, zeigte er keine Scheu und knüpfte auch schnell Kontakte zu anderen Spielern. Gleich die erste Runde konnte er gewinnen, danach verließ ihn das Spielglück etwas. Hinten raus folgten immerhin noch zwei Remis, so dass er seine erste SEM am Ende mit 2 Punkten auf Platz 15 abschloss.

Antonin U10m

Nach der für Aufbau nicht vollauf zufriedenstellenden BEM und Zusatzqualifikation startete Antonin als einziger Vereinsvertreter in der U10m. Nach einer schwachen SMM U12 war er in der Startrangliste von Platz 9 auf Platz 13 abgerutscht. Mit einem fast vollständig durchgehaltenen Wechselrhythmus (Niederlage-Sieg-Niederlage-Sieg-Niederlage-Sieg-Sieg) einschließlich der obligatorischen Geburtstagsgewinnpartie am Donnerstag standen am Ende 4 Punkte zu Buche. Etwas schade, dass diesmal gegen zwei Gegner aus dem Chemnitzer Bezirk, die er bei der BEM noch spielerisch dominiert hatte (dort ein Sieg und ein für Antonin ärgerliches Remis), diesmal kein Punkt heraussprang. Da er den drei Schwergewichten in dieser Altersklasse mit DWZ 1600+ vollständig aus dem Weg gegangen war, reichte es am Ende „nur“ zu einem sehr ordentlichen 8. Platz. Zwar punktgleich mit Platz 4, der gleichbedeutend mit einer Qualifikation für die DEM gewesen wäre, aber mit der erheblich schlechteren Zweitwertung. Aber es gibt ja noch mehr im Leben als Deutsche Meisterschaften. Und wer weiß, welche Chancen die Zukunft noch bringt.

Timur U12m

Perspektive täuscht Kinnstütze vor

 

Timur ist, was SEMs angeht, schon fast ein alter Hase. Mit nur einer Unterbrechung vor zwei Jahren war er bereits zum vierten Mal dabei. Ergebnistechnisch kopierte er Antonins Partieverlauf fast vollständig, einzig in der 6. Runde gegen Mika verlor er seine Partie und erreichte am Ende 3 Punkte und Platz 10. Wie schon häufig zeigte Timur teilweise sehr gute Ansätze und suchte seine Chancen, muss aber erheblich mehr auf Pläne und Drohungen des Gegners achten und konsequenter Varianten berechnen. Seinen Setzlistenplatz 12 konnte er hier schon unterbieten und auch seinem Ziel, eine erste ELO-Zahl zu erreichen, näherkommen.

Mika U12m

Mika war nach den Erfolgen der letzten beiden Jahre (Sachsenmeister U10 2024, Vizemeister U12 2025) neben Laura mit den größten Ambitionen gestartet. Nach DWZ auf Platz 1, nach Elo auf Platz 3 der Setzliste geführt, konnte er diese jedoch leider nicht ganz erfüllen. Zwar wurde gegen deutlich schwächer bewertete Gegner zuverlässig gesiegt, doch gab es in den Runden 2-5 nur 3 Remis und eine verdiente Niederlage. Er tat sich schwer, Chancen zu erzwingen, wenn der Gegner diese nicht leichtfertig gewährte, besonders wenn man dafür mal einen Bauern hätte opfern müssen. Nach diesem Zwischentief kam es nicht mehr zu Partien gegen die späteren Meister und Vizemeister dieses Jahres, so dass trotz Punktgleichheit mit Platz 3 am Ende die Zweitwertung „nur“ Platz 5 und die verpasste Qualifikation zur DEM heraussprang. Pfingsten zu Hause zu verbringen ist aber sicherlich keine allzu schlimme Alternative.

Marek U14m

„Irgendwo da vor mir müsste doch ein Schachbrett stehen…“

 

Der älteste Zielke im Turnier hatte den erwartet schweren Stand. Am Ende der Tabelle gesetzt und gehandicapt durch schlechte Sicht – der dringend nötige Friseurbesuch wurde bis heute verweigert – fehlte in den ersten drei Runden ein kleines Quäntchen, um mit den deutlich stärker eingeschätzten Gegnern mitzuhalten, auch wenn lange gekämpft wurde. In Runde 4 wurde eine in Zeitnot übersehene Springergabel zum Verhängnis, danach konnten zumindest zwei Remis erkämpft werden. Nachdem auch in der letzten Runde trotz zähem Ringen in einer der letzten Partien des ganzen gesamten Turniers kein Punkt zu holen war, konnte Marek am Ende mit einem Punkt immerhin seinen Startlistenplatz bestätigen. Zu seinem Pech stieg ein Spieler vor dem letzten Tag aus dem Turnier aus und ein anderer Spieler mit ebenfalls bis dahin nur zwei halben Punkten konnte durch einen spielfreien Punkt noch davonziehen. Dafür ist hervorzuheben, dass Marek sich wirklich toll um Alan gekümmert hat – kleine Brüder sind einfach viel leichter geduldig zu bespaßen, wenn es nicht die nervigen eigenen sind.

Dariia U16w

Je älter desto weiblicher, zumindest für unseren Verein in dieser Meisterschaft. Auch Dariia war – mit deutlichem Abstand von mindestens 270 DWZ-Punkten – auf dem letzten Platz gesetzt. Bei 8 Teilnehmerinnen und der Durchführung als Rundenturnier ergab sich nicht mal die Hoffnung, den stärksten Gegnerinnen aus dem Weg zu gehen. Aber wie man Dariia kennt – immer freundlich und aufgeschlossen, doch unerbittlich am Brett – ließ sie sich davon nicht entmutigen. Drei stärkeren Gegnerinnen wurde immerhin eine Punkteteilung abgetrotzt und die Basis dafür gelegt, zukünftig auch mal Siegchancen verwerten zu können.

Marie u18w

Marie gehört, wie gesagt, auch ohne Aufbau-Spielerpass einfach mit dazu und hat ja auch schon als Gastspielerin für unsere Frauenmannschaft in der Bundesliga gespielt. Das Turnier verlief sehr wechselhaft für sie. Nach zwei Auftaktsiegen folgte eine tragische Niederlage in der 3. Runde. Lange im Nachteil, dann endlich den Ausgleich erkämpft und die Partie am Ende doch noch verloren. Ein Sieg in Runde 4 und dann das Duell gegen Laura am Live-Brett. Eine gedrängte Stellung, ein Bauer weniger, viele Abtäusche, noch einen Bauern verloren. Aber dann marschiert Barry der B-Bauer los und verursacht Probleme. Und als der Staub sich legt, hat sie auf einmal zwei Bauern im Endspiel mehr, das Laura nicht mehr Remis halten kann. Ein bittersüßer Sieg – Punkt geholt, sich mit an die Spitze des Turniers gesetzt, aber damit vielleicht der Freundin im Turnier die große Hoffnung auf Turniersieg und DEM-Quali verdorben. In der nächsten Runde kam zu allem Überfluss auch noch die zweite Niederlage für Marie dazu, so dass auch die eigenen Chancen für den Turniersieg wieder schlechter standen. Bei 7 Runden im Schweizer System mit nur 11 Spielerinnen ergibt sich aber auch in der Spitzengruppe die Möglichkeit, über einen spielfreien Punkt das Tableau durcheinanderzubringen. Schon im Vorjahr erreichte in dieser Altersklasse eine Spielerin mit einer kampflosen Schlussrunde den Bronzerang. Für Marie ergab sich daher am letzten Tag neben der Möglichkeit, den Vormittag in Ruhe zum Ausräumen und spazieren zu nutzen sogar die Chance, noch den ersten Platz zu holen, wenn die beiden vor ihr liegenden Spielerinnen ihre Partien verlieren sollten. Letztlich gab es dort einen Sieg und ein Remis in schlechterer Stellung, so dass es immerhin zum 3. Platz reichte. Gratulation und höchsten Respekt!

Laura U18w

Kommen wir zum Höhepunkt des Turniers – LAURA IST SACHSENMEISTERIN! Auf Platz 1 gesetzt und bei nur einem direkten Qualifikationsplatz für die DEM in dieser Altersklasse legte sie furios los und gewann die ersten vier Partien allesamt. Allerdings wurde sie aus mysteriösen Gründen in Runde 2 und 3 gegen Spielerinnen mit weniger Punkten nach unten gelost, so dass da schon feststand, dass die Buchholzwertung ihr nicht freundlich gesonnen sein würde. Und in Runde 5 folgte der schon oben beschriebene Verlust gegen Marie. Graue Wolken am Sebnitzer Himmel, sorgenumwölkte Stirn beim Trainervater Norman. Zumindest wurde die Nachmittagspartie am Freitag gewonnen und die Hoffnung am Leben erhalten, auch wenn wegen der Zweitwertung in der letzten Runde Schützenhilfe notwendig sein würde.

Die Zimmer am Finaltag waren längst geräumt, der Großteil der Eltern und Betreuer versammelte sich im Speisesaal des KiEZ und hoffte und bangte mit. Kurz vor dem Mittagessen kommt Laura glücklich und gelöst rein – Hausaufgabe erledigt, eigene Partie gewonnen. Die Konkurrentin spielt am Livebrett. Steht etwas schlechter, aber da ist noch viel Material auf dem Brett. Lieber gar nicht hinsehen. Andere sehen hin und bekommen mit, dass die Partie remis ausgeht. Ende gut, Alles gut! Große Gratulation von allen Seiten. Und mit 6 aus 7 Punkten und meist souverän geführten Partien ist dieser Erfolg auch absolut verdient.

Becky und Susi C-Trainer-Lehrgang

Während die Jugend sich der Schachpraxis widmete, arbeiteten Becky und Susi daran, unseren Vereinskids auch zukünftig Erfolge ermöglichen zu können. Mit undankbaren Arbeitszeiten – weniger Pausen als die Spieler und keinem freien Nachmittag – mussten besonders Multitaskingfähigkeiten bewiesen werden. Ein Auge auf den Dozenten vorne, ein Auge zum Livebrett bei Mika, Laura und Marie und ein Auge auf die Panda-Malvorlage für Antonins Geburtstag. Da wäre jeder Mann heillos überfordert.

Funktioniert hat es jedenfalls, beide haben den Lehrgang und die Prüfung mit Bravour bestanden. Herzlichen Glückwunsch und vielen Dank für die für den Verein und die Kinder geopferte Zeit!

Wir haben zwar kein Bild von Susi, dafür aber ein Bild von Susi

 

Rahmenprogramm

Antonins Lieblingstier passt auch farblich sehr gut zum Schach

 

Neben dem Schach als Hauptsache bot besonders der Donnerstag Gelegenheit zur Abwechslung. Der sonnigste Tag der Woche dort, ein freier Nachmittag, alle Mann und Frau gestärkt von Antonins Pandageburtstagstorte ging es ins Kirnitzschtal zur traditionellen Wanderung. Waghalsige Kletteraktionen (Alan: „Hurra, wir alle haben überlebt!“), Höhlenmalereien, beeindruckende Ausblicke in der Natur und das Gefühl, für einen ordentlichen körperlichen Ausgleich zur Sitzerei am Brett gesorgt zu haben. Laura und Marie waren auch rechtzeitig zum verpflichtenden Anti-Doping-Vortrag wieder zurück. Und wenn die kurzen Beine müde wurden, fand sich notfalls ein bereitwilliges Reittier für die anstrengende Strecke.

Ich weiß nicht, was mag es bedeuten?

 

Angriff der versteinerten Filzteichkrokodile

Der Reiseführer warnt ausdrücklich vor der Gefahr des Steckenbleibens, besonders bei kräftigen Herren. Hier zum Glück noch keine Gefahr

So findet jeder seinen Träger

 

Gratulanten um 6:30 Uhr in den Ferien sind die einzig wahren Freunde

 

 

Was bleibt am Schluss noch zu sagen? Familie Czäczine muss die Vereinsfarben dieses Jahr wieder alleine in Willingen vertreten, hoffentlich kann Marie dort auch noch einen Startplatz über die Freiplatzrunde ergattern. Wir wünschen schonmal alles Gute und viel Erfolg!

Und nicht fehlen darf natürlich wieder einmal der Dank an Norman für die Zeit, die Anleitung und eine denkwürdige Geburtstagspartieanalyse mit 42 Loben bei 42 Zügen für Antonin!

Kunst ist es, nicht nur Erfolg zu haben, sondern es auch noch nach außen hin leicht aussehen zu lassen

 

Hoffentlich bis zum nächsten Jahr in Sebnitz. Nachdem dann unsere mehrfachen Teilnehmer Laura, Bea, Annabel und Marie schon groß und leider zu alt, äh ich meine, zu erwachsen für die Jugendmeisterschaft geworden sind, wird es vielleicht ganz anders, ganz sicher aber wieder spannend, wenn die jungen Wilden hoffentlich an den Start gehen können.