von Anne
Am vergangenen Bundesligawochenende gelang unserer Frauenmannschaft eine kleinere (oder auch größere) Sensation: mit im Durchschnitt fast 250 ELO-Punkten weniger auf dem Konto als die Gegnerinnen gewannen wir gegen TuRa Harksheide! Und stehen damit jetzt auf dem 10. Tabellenplatz mit einem möglichen Nichtabstieg in der eigenen Hand. Aber das bleibt (noch) ein ferner Traum.
Der Reihe nach: Das Wochende in Hamburg begann bei typischem norddeutschen Nieselwetter schon spektakulär mit…. Curling. Danny und Moritz spielten zufällig am selben Wochenende in Hamburg die Deutsche Betriebsmeisterschaft im Curling für Heinrich Schmid. Das konnten wir uns natürlich nicht entgehen lassen und verfolgten das erste Match live vor Ort. Wirklich sehr spannend. Es gab viel Szenenapplaus für unser Team. Und am Ende ging das Match trotz Führung vor dem letzten End noch mit einem Stein an das Team aus Hamburg. Sehr schade.
Jetzt das schachliche: TuRa Harksheide hatte gegen uns eine starke Mannschaft ins Rennen geschickt – vier ihrer Top-6-Spielerinnen. An drei Brettern mit über 300 ELO-Punkten mehr als wir. Nur ich lag nominell in Reichweite. Die erste positive Überraschung gab es noch vor Beginn der Runde: Franzi hatte es sich nicht nehmen lassen vorbei zuschauen. Fans vor Ort – das gibt natürlich Motivation.
Nach 3 Stunden hörte ich hinter mir, wie die Figuren wieder aufs Brett gestellt wurden. Laura war fertig. Als ich mich suchend umschaute, wie die Partie ausgegangen war, zeigte mir ein Hamburger Kiebitz den Daumen nach oben mit anerkennendem Nicken: Punkt für uns. Laura hatte ihre Gegnerin überspielt. In Lichess-Sprache: 96% Genauigkeit und nur eine Ungenauigkeit. Saubere Leistung. Das ging ja sehr gut los.
Paula legte nach, indem sie nach ebenfalls sehr starker Partie (Lichess attestiert beiden Spielerinnen 97% Genauigkeit) einen halben Punkt einsackte. Danach mussten Elina und Kerstin leider eine Niederlage hinnehmen, so dass nur noch Becky und ich spielten. Ich hatte zwischenzeitlich das Gefühl meinen schönen Vorteil nach der Eröffnung etwas vergeben zu haben – stimmte auch. Jedoch kam die Gegnerin nie in Vorteil und nach der Zeitnotphase hatte ich ein sehr gutes, menschlich für die Gegnerin schwer zu verteidigendes Endspiel auf dem Brett. Das sah gut aus.
Doch bei Becky war die Eröffnung nicht gut gelaufen. Sie hielt zäh ihre Stellung zusammen und machte es der Gegnerin nicht leicht ihren Vorteil zu verwerten, konnte dann ausgleichen und nach der Zeitnotphase sogar die Initiative übernehmen. Es ging Schlag auf Schlag: Quale-Opfer, Zentrumsbauern nach vorn und schließlich Läuferopfer auf g3 mit Gewinnstellung. Ganz stark gespielt und damit unsere Matchwinnerin. (Hier der Link zur Partie). Denn kurz danach konnte ich mein Endspiel durch einen erzwungenen Damentausch, nachdem mein Freibauer nicht mehr aufzuhalten war, gewinnen. Endstand 3,5 : 2,5 für uns und damit wieder zwei Mannschaftspunkte!
Das wurde mit einem leckeren Essen gefeiert. Wenn auch nicht so lange. Denn schließlich stand noch die Vorbereitung für die nächste Runde auf dem Programm.
Am Sonntag ging es gegen den Hamburger SK – aktuell auf Platz 3 der Tabelle. Wir holten immerhin 1,5 Punkte. Kerstin einigte sich im ausgeglichenen Endspiel auf remis. Und ich konnte meine Serie (entweder 2 Siege oder 2 Niederlagen an einem Wochenende) fortsetzen. Das bedeutete hier einen Siege gegen IM Sarah Papp. Nach sehr guter gegnerischer Vorbereitung stand ich zunächst schlecht. Jedoch lies sie mich mit einem Läufertausch meine Stellung entlasten, so dass ich in der Zeitnotphase sogar die Initiative übernehmen und mit meinen Türmen in ihre Stellung eindringen konnte. Mit wenig Bedenkzeit auf der Uhr nahm sie nicht die Abwicklung in ein trotz Mehrbauer meinerseits remises Turmendspiel, sondern erlaubte es mir noch mehr Bauern und damit schließlich den vollen Punkt einzusammeln.
Elina konnt ihren sauber herausgespielten Vorteil leider nicht verwerten. Bei Laura lief die Eröffnung ganz schief. Nach einem Qualitätsgewinn war nur für einen Zug der Ausgleich greifbar. Paula wollte den gegnerischen Läufer mit einem Bauernopfer aussperren. Gute Idee – funktionierte nur in dieser Stellung nicht. Becky stand nie wirklich besser und konnte ihre Glanztat vom Vortag leider nicht wiederholen. Endstand 1,5 : 4,5.
Mit Partieanalysen, Blitzschach, netten Gesprächen mit Mitreisenden und pünktlicher Deutscher Bahn ging es am späten Nachmittag und Abend zurück nach Chemnitz. Dank sehr freundlichem Bahnmitarbeiter wurde die letzte Etappe mit Zugbingo noch unterhaltsamer. Wir stellen das gerne für weitere Bahnreisen zur Verfügung. Kleiner Hinweis jedoch: Bahnbingo funktioniert im Hellen besser. 🙂







