von Martin
Bericht vom Schachtrainingslager 2026
Wie jedes Jahr haben wir mit dem Verein ein grandioses Schachtrainingslager veranstaltet. Wie sonst in keinem Jahr waren wir diesmal nicht im altbekannten Schmalzgrube (wer den Bericht aus dem Vorjahr nochmal lesen und mit der Qualität des diesjährigen Textes vergleichen möchte: https://bauernsturm.de/trainingslager-2025-in-bildern/) sondern im KiEZ am Filzteich bei Schneeberg. Grund war, dass der eigentlich geplante Termin in Schmalzgrube mit Susis Geburtstag kollidiert wäre (ich glaube, wieder mal der 29. Geburtstag. Tradition seit 21 Jahren). Und ein Trainingslager ohne Susi ist zwar möglich, aber sinnlos.
Die Anreise erfolgte reibungslos, der obligatorische Umweg über rumpelige Feldwege für mit Google-Maps navigierende Teilnehmer inklusive. Lediglich Brands mussten noch einem gestrandeten Vereinsmitglied, das nicht mit angemeldet war und nichtsahnend zum Training erschienen war, vom verwaisten Vereinslokal eine Heimreise organisieren. Alle Spieler wurden nach Alter, Geschlecht, Familienbanden und Schnarchintensität in die Zimmer eingewiesen und der Speisesaal gestürmt.
Das große Gelände hatten wir für uns alleine. Vorteil: wir hatten viel Platz im Speisesaal, mussten nicht lange anstehen, konnten alle Einrichtungen und Spielplätze ohne Wartezeiten nutzen und niemand schließt sich versehentlich einer falschen Kindergruppe an. Nachteil: abgerissene Gardinenstangen und versehentliche umgeworfene, beschädigte Stühle konnten nicht auf andere Sündenböcke abgeschoben werden. Tja, Vereinsleben soll ja auch Verantwortungsbewusstsein schulen.
Abendliche Turniere
So ein Trainingslagerwochenende geht immer so schnell vorbei, weswegen das Programm prall gefüllt war. Noch am Freitagabend eröffneten Volkmar und Norman die Veranstaltung und gaben die Warnung vor den titelgebenden Krokodilen im Filzteich heraus. Die pirschen sich an nichtsahnende, nicht von Erwachsenen begleitete Kinder heran und verbieten daher den Besuch am Wasser ohne ausgewachsene Vereinsmitglieder. Danach fand das Turnier im beliebten Tandemformat statt. Die Teams wurden aus 6 nach Spielstärke sortierten Töpfen ausgelost. Kurioserweise landeten dabei alle 6 (!) Brands im Turnier in verschiedenen Teams, während 2 von 3 teilnehmenden Zielkes (Marek und Antonin) gemeinsam in einem Gespann antreten mussten. Auch hier bewies Turnierleiterin Susi den richtigen Riecher und tippte das spätere Gewinnerteam Moritz+Uwe entgegen der Bedenken anderer Trainer schon vor Turnierbeginn richtig. Silber holte das Gespann aus Kevin und Anne, Bronze ging mit Sascha und Johann an eines der Teams mit dem geringsten Altersschnitt. Den Zielke-Brothers blieb nur der undankbare, wenngleich achtbare 4. Platz.
Blitzturniere
Am Samstagabend stellte das traditionelle Blitzturnier den schachpraktischen Höhepunkt dar. Aufgeteilt in 3 Gruppen nach Spielstärke und Alter waren fast alle anwesenden Vereinsmitglieder am Start. Im Miniturnier (Altersbereich kurz vor 10 bis kurz nach 60) setzte sich in einem spannenden Turnier am Ende Kevin vor Till und Eddie durch und holte nach Silber im Tandem seine zweite Podiumsplatzierung.
Im Miditurnier für das etwas niedrigere hohe Niveau fand sich schon ein ansehnliches Teilnehmerfeld, bei dem am Ende Platz 1-3 punktgleich waren. Das bessere Ende für sich hatte nach der Zweitwertung hier Marek, der Dariia und Johann auf die Plätze verweisen konnte.
In der Königklasse, dem Maxi- oder Seniorenblitz (11 Jahre und älter) wurde alles geboten. Überraschungssiege (Moritz gegen Paula und Norman, Mika gegen Kay), ein dramatischer Stichkampf um Platz 1 und wechselhafteste Partieverläufe. Nach der hochkonzentrierten Auswertung aller Punkte und Sonneborn-Berger-Wertungen bis spät in die Nacht (gerüchteweise 3 Uhr; um diese Zeit liegen verantwortungsbewusste Berichtschreiber längst im Bett) stand fest: unser Power-Couple Norman und Anne holt Gold und Silber, Ruslan komplettiert das Siegertreppchen.
Ein großer Dank gebührt hier unserer Susi, die bei allen Turnieren den Überblick bewahrt und dokumentiert hat und die Tabelle besser führte, also so mancher computerunterstützter kommerzieller Turnierleiter.
Die vollständigen Ergebnisse:
Früh- und Ausgleichssport
Ob Schach als echter Sport zu werten ist, ist in Fachkreisen umstritten. Dass die physische Bewegung am Brett stark begrenzt ist, kann man nicht leugnen. Zum Ausgleich ist es daher ratsam, sich körperlich zu ertüchtigen. Und unsere Vereinsmitglieder folgten schon dem frühmorgendlichen Ruf zum Sport in vorbildlichem Umfang: mit 38 Teilnehmern (von 43 mitgereisten Kindern und Erwachsenen) wurde eine Rekordzahl am Samstag um 7:30 Uhr (bzw. 7:50 Uhr, bis auch Nr. 38 eintrudelte) erreicht. Und auch am Sonntagmorgen war eine – unter Berücksichtigung zweier vergangener, kurzer Nächte und des Programms am Vortag – sehr respektable Gruppe auf dem Platz, um sich mit Dannys Übungen, die auch beim Denksport hilfreiche Kraft, Beweglichkeit, Balance und Ausdauer zu erarbeiten. Vielen Dank an Danny an diesem Punkt für die Bereitschaft zum Ausarbeiten und Vorturnen!
Samstagnachmittag gab es dann drei Gruppen zur Auswahl. Jeder konnte sich dabei im Tischtennis mit Susi, beim Fußball unter Martin oder durch Laufen und Baden mit Norman in unterschiedlichem Ausmaß auspowern. Alle Angebote waren auch gut besucht. Und gerade für die jüngeren gab das weitläufige Kiez-Gelände genug Möglichkeiten her, um beim Kampfschaukeln, Verstecken-angebrannt-Fange oder Extremklopfstreichspielen bis spätabends noch ein paar Kalorien zu verbrennen.
Lektionen
Das Herzstück eines Schachtrainingslager ist überraschenderweise: Schachtraining! In drei Trainingsgruppen und je 3 Lektionen gaben Norman, Kay, Volkmar, Susi und Kathrin ihr schachliches Wissen an die neue Generation weiter. Ob zum Thema „Wann gehört der Läufer nach g4/g5“, Schlüsselfelder, Eröffnungsgrundlagen oder Kays Expertenwissen im Fach „Wie gewinne ich ein Spiel mit einer Mehrfigur nicht“ (euphemistisch: „Vorteilsverwertung“ genannt) wurden die Mitreisenden fit gemacht für die nächsten Partien. Zum Abschluss wurde allen Spielern in einem Taktiktest der Nachweis abverlangt, ob man denn an den beiden Tagen auch zugehört hat.
Wer wird Schach-Millionär
Schachliches Wissen beschränkt sich nicht auf faszinierende, wenn auch gelegentlich etwas trockene Theorie zu Eröffnungen, Taktiken und strategischen Vorteilen. Kuriose, nachgerade abwegige und teilweise nicht ganz ernstgemeinte Fragen wurden Samstagabend im Quizformat gestellt. Nach dem Motto „Besser gut geklaut als schlecht erfunden“ wurde das Konzept der Fernsehsendung „Wer wird Millionär“ adaptiert, durch die Sendung führte der beliebte Moderator Norman Jauch. Die Rateteams bekamen bekannte oder neu ersonnene Joker, die strategisch eingesetzt werden sollten – damit man nicht wie Martin und Uwe am Ende mit 3 Jokern auf dem Konto auf der 500-EUR-Stufe ausscheidet.
Damit wissen wir jetzt auch, dass sich keine Schachfigur auf „Herd“ reimt – die Eröffnung Zweipferdespiel im Nachzug hat sich nicht durchgesetzt – wer in einem WM-Kampf als Herausforderer insgesamt ein Unentschieden erreichte ohne den Titel am Ende jemals zu holen und welcher Familienname in unserem Verein am häufigsten in der Mitgliederliste auftaucht. (Um sich vom Feld des Schachwissen aufs Gebiet der Populärkultur zu begeben, damit ich auch mal gegen Norman auftrumpfen kann: James Bonds Gegenspieler heißt Ernst Stavro Blofeld, nicht Bernd :-P)
Mangels potenter Sponsoren – Jan Henric Buettner ist offenbar mit Freestyle-Schach in Weissenhaus und der Förderung von Vincent Keymer ausgelastet – konnte der Preis leider nicht in Euro, sondern nur in Smarties und Gummibären ausgezahlt werden. Gerade den jüngeren Teilnehmern war das aber auch recht. Und schon in der ersten Spielrunde hat es das Team mit Marie, Laura, Paula und Viktoria tatsächlich bis zum Ende durchgehalten und die Million im wahrsten Sinne des Wortes eingesackt!

Der Ratemodus für alle Teilnehmer parallel ist vielleicht nicht TV-tauglich, aber dafür fair für alle

nicht überliefert, ob zu dieser Frage Streitfälle teamintern mit Schnick-Schnack-Schnuck geklärt werden mussten

klingt alles mehr oder weniger unwahrscheinlich, aber eine Millionenfrage soll ja auch nicht leicht zu beantworten sein
Internationaler Frauentag
Ob bei DVM in der U16w und U20w und natürlich in der 1. Frauenbundesliga: in unserem Verein zeigen die Damen immer wieder, wozu sie in der Lage sind und dass sie mindestens so viel schachliches beitragen können, wie die Männer. Nicht nur dafür haben Sie das ganze Jahr Respekt verdient, aber wenn das Trainingslager auf den internationalen Frauentag am 8. März fällt, gehört das natürlich besonders gewürdigt. Zum Glück retteten Danny und Volkmar die Ehre der ignoranten Männerschaft und überraschten unsere Frauen und Mädchen zum Frühstück mit Blümchen und Süßigkeiten. Ein Hoch auf unsere besseren Hälften (und vielen Dank den Brands für die Ehrenrettung)
Siegerehrung
Auch das tollste Schachwochenende hat leider nur 48 Stunden, das Leben bietet ja noch lästige Ablenkungen wie Arbeit, Schule, Hausarbeit und Familienleben. Am Sonntagnachmittag hieß es daher, zum Abschluss zu kommen. Die Turniere der vergangenen Tage wurden ausgewertet, die Sieger gewürdigt und allen Teilnehmern noch kleine Preise überreicht. Und die ganze Meute ist sich sicher: wenn es irgendwie einzurichten ist, sind wir im nächsten Jahr natürlich wieder dabei. Ob im gewohnten Schmalzgrube, wieder am Filzteich oder ganz woanders, ist völlig egal – Hauptsache mit den tollen Menschen, die alle zusammen unseren Verein ausmachen.
Vielen Dank für ein tolles Wochenende an alle Organisatoren, allen voran Anne und Norman und der Familie Brand, die nicht nur zahlenmäßig das Herz unseres CSC Aufbau darstellen.















































