BEM 2026 – Medaillenrezession

von Norman

Zu Beginn der Winterferien (07.-10.02.) lockte die Bezirkseinzelmeister-schaft wieder allerhand Kinder und Jugendliche in die Jugendherberge nach Hormersdorf. Nach dem Organisationschaos des Vorjahres lief diesmal – zumindest terminlich – alles glatt. Und so zogen für Aufbau Antonin, Sascha und Yehor (u10), Charlie und Timur (u12), Marek und Peter (u14), Dariia (u16 w), Moritz (u18) sowie Annabel, Bea und Laura (u18 w) voller Hoffnung und Vorfreude in den rutschig überfrorenen Erzgebirgskreis.

Hoffnungen

Es sah gut aus. In der u10 waren Sascha und Antonin mit deutlichem Abstand an 2 und 3 gesetzt. Und Yehor hatte bei der BMM auch 7 aus 7 gescort. Träume… In der u18 w hatte es schon letztes Jahr Gold und Silber gegeben. Und auch dieses Jahr sah es nach der Setzliste sehr gut für Laura (Nr. 1) und Bea (Nr. 3) aus. Auch Marek (als Nr. 3) und Charlie (Nr. 5) lagen nominell gut im Rennen. Timur hätte mit seiner 1400er DWZ von vor einem halben Jahr sogar Platz 2 der Setzliste eingenommen, stand nun aber knapp 300 Punkte niedriger (Nr. 7). Für Peter, Dariia, Moritz und Annabel würde es voraussichtlich darum gehen, gute Partien zu spielen und vielleicht das ein oder andere Erfolgserlebnis zu haben.

Realität

Alle Ergebnisse sind unter https://s3.chess-results.com/tnr1349047.aspx?lan=0 zu finden.

Dort lässt sich zügig recherchieren, dass die oben noch blumig beschriebenen Hoffnungen mit fortschreitender Turnierdauer anfingen zu welken. Trotz einiger Lichtblicke wurde unsere Medaillenausbeute der Vorjahre glatt halbiert.

Einmal gab es Goldfür Laura. Aber hier wackelte es an allen Ecken und Enden. Während Runde 1 „nur“ kritisch verlief, wurden in den beiden Folgerunden (gegen Annabel und Bea) Verluststellungen gewonnen. Auch in der Schlussrunde stand Laura erst breit, dann aber durch starkes Spiel auf Gewinn, stellte plötzlich einen Springer ein und verschenkte den Sieg im besseren Endspiel. Chaos.

Aber 3½ aus 4 reichten natürlich. Laura war wohl selbst am meisten unzufrieden mit der Qualität ihres Spiels. Ich bekam eher bei der kayesken Bedenkzeiteinteilung Panikattacken.

Ein tolles Turnier spielte Marek und krönte seine Leistung mit Silber. Nach mehr oder weniger sicheren 2 aus 2, stand Marek in Runde 3 mehrfach das Glück zur Seite. Schließlich überzog der Gegner im Endspiel und schubste Marek an die Tabellenspitze. Die wurde am Folgetag mit 0 aus 2 zügig wieder verlassen und dann…

Nun müsst ihr wissen, dass Marek jedes Jahr am 10.02. eigentlich besseres zu tun hat, als Schach zu spielen. Kerzen auspusten, Geschenke auspacken, Kuchen auffuttern, was man halt so macht am Geburtstag. Das musste jetzt leider hinten anstehen. Doch wer 14 ist, ist keine 13 mehr. Hat sich anscheinend gut angefühlt. Jedenfalls holte Marek erst zwei überzeugende Siege und gewann dann den anstehenden Schnellschach-Stichkampf (Wertungsgleichheit). Revanche für die Niederlage in Runde 5 und unverhoffter Vizetitel. Gratulation!

In der u10 lief es bei Sascha, Antonin und Yehor leider nicht wie erhofft. Das betraf schon den Start zur ersten Runde. Ich stellte verwundert fest, dass im kleinen Zimmer gespielt wurde. Aber okay, nicht wundern, lieber ein paar überzählige Stühle rausstellen, damit die Kinder ihre Beine unter den Tisch bekommen können (nächste Runde ging’s in den richtigen Raum). Dann wurden die Ansetzungen „verlesen“ und Antonin sollte mit der gleichen Farbe wie Sascha spielen. Als Setzlistennachbarn. Ich schielte auf die Paarungsliste. Falschrum vorgelesen. Leider ging ich davon aus, damit mein Werk getan zu haben und bemerkte nicht, dass auch Yehor falsch platziert wurde. Er spielte also mit Schwarz statt mit Weiß und als das auffiel war die Partie schon vorbei (es wurde entschieden, so weiterzumachen, als hätte Yehor Weiß gehabt).

Der Turnierverlauf gestaltete sich auch nicht besser. Sascha vergurkte zwei Gewinnstellungen (einmal aus Dame-mehr-Situation) gegen die beiden späteren Erstplatzierten und musste in der Schlussrunde eine weitere Niederlage gegen Antonin einstecken. Platz 5 bietet immerhin noch die Chance, über die Zusatzquali zur SEM zu kommen.

Antonin agierte zu wechselhaft. Einer zum Remis verdorbenen absoluten Gewinnstellung gegen den späteren Turniersieger ließ er in der Folgerunde eine Remisrettung aus totaler Verluststellung folgen. Immerhin reichte es noch zu Platz 4 und damit der direkten Qualifikation zur SEM.

Yehor spielte zu Beginn des Turniers viel zu schnell, fand dann aber einen besseren Rhythmus und holte insgesamt drei Siege. Schade, dass in der Schlussrunde nichts zusammenlief und die 50%-Marke knapp verfehlt wurde. Mit dieser neuen Turniererfahrung weiß Yehor jetzt jedenfalls, wo er steht und kann sich über seine Einstiegs-DWZ > 1000 freuen.

Charlie und Timur lagen nach 5 Runden in der u12 vorn, beide mit 4 aus 5. Charlie hatte dabei gegen die beiden Turnierfavoriten ganz überlegene Stellungen (so +2 bis +4) einfach remis gegeben bzw. ins Remis abgewickelt und alles andere gewonnen (auch gegen die Nr. 3 der Setzliste).

Jetzt aber wartete Timur. Charlie stand aktiver. Doch Timur hatte alle Steine vernünftig aufgestellt. Da ging nichts im Hurra-Stil. Nichts, außer einem höchst spekulativen Turmopfer. Und schon war’s matt. Also Timur hatte matt gesetzt. Eine starke Leistung.

Leider war bei beiden damit die Luft raus. In der Schlussrunde rutschte Timur von Platz 1 auf Platz 4 und Charlie von 4 auf 6. Sehr Schade, besonders die hergeschenkten halben Punkte, die ja auch noch an die Medaillenkonkurrenten gingen.

Letztlich das gleiche Bild wie in der u10: Timur ist direkt für die SEM qualifiziert. Charlie hat noch eine Chance über die Zusatzquali.

Peter hatte in der u14 Pech. Nach einem kampflosen Punkt in Runde 1 setzte es zwei Niederlagen. Die erste aus chancenreicher Stellung gegen Marek und die andere mit einer Figur mehr gegen den Schiedsrichter. Der entschied zu Gunsten seines eigenen Vereins, gegen die Berührt-Geführt-Regel (ohne Zeugenbefragung und ohne Fremdmeinung), wonach Peter völlig konsterniert war und die Partie nicht mehr ordentlich zu Ende führen konnte.

Aber bevor ich hierzu einen Roman schreibe und meinen Puls in die Höhe treibe: Wir müssen definitiv zufrieden sein, dass sich überhaupt Personen bereit erklären, die BEM zu organisieren und zu schiedsrichten. Unser Verein hat insoweit jedenfalls nichts beigetragen. Also lieber mal runterschlucken und Dank an die Organisatoren und Schiedsrichter, ohne die die BEM nicht möglich wäre.

Jedenfalls erholte sich Peter später wieder und konnte die letzten beiden Runden gewinnen. Großes Lob dafür!

Dariia gewann ihre erste Partie in der u16 w gegen die nominell deutlich schwächste Spielerin recht sicher, agierte danach jedoch zu respektvoll. Wenigstens gelang in der Schlussrunde gegen eine starke Gegnerin noch ein Remis. In einer munteren Partie hätte Dariia schließlich mit Dame und Springer ein Mattnetz knüpfen können, ließ stattdessen aber die gegnerische Dame in ihre Stellung. Die Gegnerin bot erleichtert remis und zwar gerade in dem Moment, als sie hätte gewinnen können.

Moritz haderte mit seinem Spiel. Wohl zu recht. Zu viele Einsteller und falsche Entscheidungen. Aber so schlecht sind 3 Punkte nun auch nicht. In Runde 1 hielt Moritz auch lange mit dem späteren Turniersieger (7 aus 7, DWZ 2000) mit. Schade, dass es nicht reichte.

Annabel und Bea machten in der u18 w nicht nur Laura das Leben schwer. Aber am Ende blieb einfach zu wenig Zählbares hängen. Besonders im Endspiel, nach langem Kampf, ging es spürbar in Richtung würfeln. Ich hoffe mal, dass Bea trotzdem zur SEM eingeladen wird oder ihr Ticket dafür noch in der Zusatzquali löst.

Fazit

Ein Dämpfer nach zwei erfolgreichen BEM-Jahren. Aber es kann eben nicht nur nach oben gehen. Ob wir im nächsten Jahr den Medaillenspiegel wieder aufpolieren? Fraglich, denn Laura und Bea, genauso wie Annabel und Moritz sind dann ü18. Da schwingt Wehmut mit. Und ganz viel Dank an diese vier für die wunderschönen Jahre.

Auf der anderen Seite werden wir bei der SEM mit Antonin, Mika (vorberechtigt), Timur, Marek, Laura und vielleicht auch noch Sascha, Charlie und Bea an den Start gehen. Und Paula ist (wie seit Jahren) für die DEM vorberechtigt. Klingt doch eigentlich ziemlich gut. Ich freu mich jedenfalls auf eine nervenaufreibende Zusatzquali und werde bestimmt wieder berichten.

Impressionen

Bea und Kathrin in Aktion beim Geocaching

 

Annabel pustet einen Regenbogen

 

unterwegs im Winterwald

 

Winterstimmung

 

auch ein Winterwald – nur schwieriger zu erkennen

 

geheimnisvoller Tümpel

 

schön war’s