Aufgabe der Woche (10)

von Norman

An dieser Stelle geht es darum, in einer aktuellen Schachpartie (meist aus der Vorwoche) besser zu spielen als der Meisterspieler. Ganz nebenbei bleibt man dabei in der großen Schachwelt etwas auf dem Laufenden. Und vielleicht gibt es ja sogar einen kleinen Trainingseffekt.

10.10.2026, Fagernes International Autumn, Weiß am Zug

Nach der Bronzemedaille bei der Schacholympiade, strahlt Schachdeutschland. Und auch die Zukunft stimmt optimistisch. Christian Glöckler erzielte in Norwegen seine zweite GM-Norm. Mit 14 Jahren! Er führte mit 6½ aus 8 das Turnier an (Gegnerschnitt 2447, vier GMs). Leider misslangen die letzten beiden Partien. Wie hätte es auch in Runde 9 ein Happy End geben können?

Lösung Teil 1:

Es ist nicht gleich offensichtlich, doch Weiß hat großen Vorteil. Die Schwäche des schwarzen Königs ist ein entscheidendes Stellungsmerkmal. Die c-Linie ebenfalls. Andererseits steht Schwarz nicht mit leeren Händen da. Seine Figuren kontrollieren das Zentrum, gucken auch etwas zum weißen König und dann gibt es ja noch den d-Freibauern. Weiß sollte deshalb energisch fortsetzen.

Ein Matt ist nicht in Sicht. Es gibt auch keine Taktik. Also gilt es, die Figurenstellung zu verbessern. Wer ist zuerst dran? Der Tf1 oder der Sb2?

Wer sich für den Springer entschieden hat, trifft den Geschmack des Autors und auch des deutschen Youngsters. Geht mit Tempo. Und der Tf1 hat auf seinem Platz immerhin Verteidigungswirkung. Dennoch wäre 26.Td1!? ebenfalls richtig gewesen.

Im Gegensatz zu 26.Sc4? Das falsche Feld, denn nach 26…Tc5 27.Df3 Sf6 hat Schwarz seine Figuren deutlich mehr verbessert (27.Db7 Tc7!?). Wenig später kippte die Partie komplett.

Fazit: Das Verbessern der Figurenstellung ist auch in taktischen geprägten Partiesituationen eine gute Idee. Leute ranholen! Ob man dann das richtige Feld trifft, ist eine andere Frage.

Lösung Teil 2:

Der direkte Versuch 26.Db7 war möglich, hätte jedoch nach z.B. 26…Dd5+ wegen des verschenkten Zuges etwas vom Vorteil eingebüßt.

Richtig ist 26.Sd3! Springer sind die besten Blockadefiguren. Schreibt jedenfalls Aaron Nimzowitsch (siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Blockade_(Schach) und https://de.wikipedia.org/wiki/Aaron_Nimzowitsch#Verm%C3%A4chtnis).

Nach 26…Dd5+ 27.Dxd5 Txd5 28.Tfc1 (oder 28.Tc6!?) hätte Weiß ordentlich gedrückt. Vielleicht schon in Gewinnstellung.

Nach 26…Te2? 27.Txe2 Dxe2 28.Dd5+ hätte Schwarz sofort aufgeben können.

Und schließlich wären nach 26…Te4 27.Tfc1! Sf6 28.Da6!? die weißen Türme auf die 8. Reihe eingedrungen.

Schade und etwas mysteriös, dass der Springer sich in der Partie gegen die Blockade und für das Verschließen der c-Linie entschieden hat.

Die Partie zum Nachspielen und Analysieren:
https://lichess.org/broadcast/fagernes-international-autumn-2026-gm/round-9/CWOhmMrG/Gvn9zd3y

PS: Kommende Woche gibt es keine Aufgabe. Urlaubszeit.